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Wirtschaft

Wie in den anderen afrikanischen Entwicklungsländern ist auch die Wirtschaft Namibias vom Export von Rohstoffen abhängig: Der primäre Wirtschaftsbereich mit Bergbau, Landwirtschaft und Fischerei bestimmt die Volkswirtschaft (Die Exporte der primären Produkte (Rohstoffe) dominieren bei den Ausfuhren. Sie unterliegen aber auch zugleich den schwankenden Weltmarktpreisen. Ein Produktionsrückgang ist häufig die Folge, und die Zahl der Erwerbstätigen sinkt ab. Die Behörden fördern nun die Möglichkeit, dass die ungelernten Arbeitskräfte in die kleinbäuerliche oder sogar in die kommerzielle Farmwirtschaft aufgenommen werden.

Die Arbeitslosigkeit wird in zunehmendem Maß zu einem vorrangigen Problem Namibias. Wie in vielen afrikanischen Staaten müssen viele städtische Arbeitssuchende auf den informellen Sektor ausweichen (Handel mit selbstgefertigten Produkten, einfache Dienstleistungen und Reparaturen). Auch die Kriminalitätsrate hatte einen deutlichen Anstieg zu verzeichnen.

Die ökonomische Basis von Namibia kann zwar als breit, aber zugleich als krisenanfällig bezeichnet werden. Einer amtlichen Schätzung nach müssten gegenwärtig jährlich über 16.500 neue Arbeitsplätze bei einem Wirtschaftswachstum von 4– 5 % geschaffen werden, um die Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen. Die Landwirtschaft sichert 38,5 % der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung ein Einkommen, Regierungsdienste mit 18,1 %, Industrie und Gewerbe mit 8,5 % und Bergbau mit 3 % schließen sich an. Man hofft, in absehbarer Zukunft die „Tourist Industry“ so zu fördern, dass sie die zweite Stelle im BIP einnehmen kann.

Der kleine Binnenmarkt ist ein weiteres Hemmnis, das Namibia mit weiteren afrikanischen Entwicklungsländern teilt. Häufig ist die Kaufkraft des Großteils der Bevölkerung zu gering, um einen Wachstumsfaktor darzustellen. Mit einem Einkommen von ca. 1.000 US-$ hat Namibia zwar eines der höchsten Pro-Kopf- Einkommen in Afrika, jedoch ist seine Verteilung recht unterschiedlich: Die weiße Bevölkerung (ca. 5 % der Gesamtbevölkerung) hat ein Pro-Kopf-Einkommen von rd. 1.400 $, die schwarzen Stadtbewohner von rd. 660 $ und die schwarze ländliche Bevölkerung von nur 63 $.

In der Landwirtschaft ist ebenfalls ein Dualismus festzustellen. Der marktorientierten (weißen) Farmwirtschaft steht eine (schwarze) kleinbäuerliche, subsistenzorientierte Landwirtschaft gegenüber.

Industrie, Handels- und Gewerbebetriebe sind vor allem nahe der Hauptstadt Windhoek in der Landesmitte konzentriert. Infolge der großen Distanzen sind die Transportkosten weiterhin als hoch zu bezeichnen.. Der Preis eines Gebrauchsgutes kann durch den Frachttarif auf das 3- bis 5-fache ansteigen, wenn es über längere Strecken befördert wird. Über 80 % der gesamten Güter stammen aus der RSA, das mit ca. 40 Mio. E ein weitaus höheres Industriepotential und einen größeren Binnenmarkt besitzt als Namibia. Die enge Bindung an Südafrika sichert einerseits eine gute Versorgung, andererseits hemmt sie aber die einheimische Entwicklung.

Nach der Fertigstellung der Transkalahari-Strecke durch Botswana im Jahre 1996, die die Verbindungen zum Wirtschaftsraum Johannesburg um 400 km verkürzt, hoffte man, die Transportkosten zum wichtigsten Lieferanten erheblich gesenkt zu haben. Doch aufgrund zahlreicher Polizeiposten in Botswana sparen die LKWs keine Zeit und fahren wieder die alte Strecke.

Im Gegensatz zu vielen tropischen Staaten Afrikas ist die Infrastruktur als gut zu bezeichnen. Bergbau und Viehwirtschaft ließen bereits früh den Eisenbahnbau entstehen. Der Übergang vom Schienen- zum Straßenverkehr nach dem II. Weltkrieg sowie strategische Gründe (Krieg im Norden von 1966–1989) führten zu einem Ausbau des Straßennetzes. Über 4.500 km Teerstraßen und 35.000 km Allwetter-Schotterstraßen bestehen seit Beginn der 1990er Jahre. Seit November 1992 wird die Enklave Walvis Bay gemeinsam mit südafrikanischen Behörden verwaltet.

Die Energieversorgung gilt inzwischen auch als gesichert. Das Wärmekraftwerk in Windhoek (Industrieviertel) sowie das Wasserkraftwerk in Ruacana am Kunene liefern genügend Strom für den inländischen Bedarf. Das Verbundnetz mit Südafrika hat nur eine Sicherheitsfunktion. Zuweilen kann Namibia sogar elektrische Energie in dieses Netz einspeisen.

Für die Suche nach Bodenschätzen werden nach Mitteilungen der Bergbaukammer in Windhoek jährlich 10–15 Mio. US$ ausgegeben. Die Prospektion konzentriert sich auf die nordwestlichen Landesteile. Ganz im Süden wurde neuerdings ein großes Zinkvorkommen durch die Scorpion Zinc Mine erschlossen.

Kleinere, überschaubare Projekte im Straßen- und Häuserbau (Katutura), in den Gewerbezonen der Städte sowie in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft (vor allem im Norden) wurden mit internationaler Entwicklungshilfe begonnen und weitergeführt. Es gilt, insbesondere die sozio-ökonomische Situation weiter Bevölkerungsteile zu verbessern und die hohe landesweite Arbeitslosigkeit (40–50 %) zu senken.

Ein weiterer Hoffnungsträger für einen wirtschaftlichen Aufschwung ist neben dem Fischfang der Tourismus. Brachten 1991 213.000 Besucher Namibia ein Einkommen von 320 Mio. R, waren es 1993 etwa 310.000 Touristen, die die vorjährigen Einnahmen um ein Drittel steigen ließen. Diese Zahl wurde zur Jahrtausendwende deutlich überschritten: Bereits im Jahr 1998 besuchten fast 560.000 Gäste das Land.

Textauszug aus Iwanowski’s Reisehandbuch: Namibia, 978-3-933041-42-5, EUR 25,95. © Iwanowski Verlag, Michael Iwanowski

 
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