Walvis Bay
Walvis Bay, der einzige Großhafen an der Küste Namibias, ist seit 1994 keine südafrikanische Enklave mehr.
Walvis Bay liegt in einem Teil des Kuiseb-Deltas. Sehr selten führt der Kuiseb Wasser bis zum Meer. Das meiste Wasser versickert in einer 61 m dicken Sandschicht, die ein natürliches Speicherbecken darstellt. Bis dieses Wasser das Meer erreicht, dürften zwischen dem Einsickern im Inland und dem Eindringen in die See etwa 70 Jahre vergehen.
Der Tiefseehafen ist vor der offenen See durch eine Landzunge geschützt, die im Norden mit dem Pelican Point endet. Dort, wo die Landzunge mit dem Festland verbunden ist und die Gewässer seicht sind, hat sich eine beachtenswerte Vogelwelt erhalten (Pelikane, Flamingos). Der Reisende mag in Walvis Bay jeden Hauch von Flair vermissen. Deshalb bemüht man sich, den Ort für Reisende interessanter zu machen. Dies ist zumindest bei einer Zielgruppe gelungen, den Windsurfern.
Geschichte
Das erste Schiff, das die Bucht erreichte, war das von Bartholomeu Diaz am 8. 12. 1487, als dieser die Südspitze Südafrikas finden wollte, um nach Osten zu segeln. Außer der Hafengunst fanden die Portugiesen diese Gegend äußerst unattraktiv, denn es fehlte vor allem an Trinkwasser. Aber schon damals bemerkte man den Fischreichtum des Meeres, das besonders reich an Sardinen war. So nannten die Portugiesen die Küste Praia dos Sardinha (Küste der Sardinen). 1489 wurde die Gegend auf der ersten Karte so benannt, aber bereits 100 Jahre später nannte man den Hafen Bahia dos Bahleas (Bucht der Wale).
Der hohe Stickstoffgehalt des Benguela-Stroms unterstützt den Plankton-Reichtum der Gewässer – eine gute Nahrungsgrundlage für Wale und Sardinen (Pilchards). Auch Robben finden hier gute Lebensbedingungen. Kein Wunder, dass amerikanische und britische Segler ein besonderes Interesse für ...mehr
Abstecher nach Sandwich Harbour
Der Besuch von Sandwich Harbour ist am besten mit einem der einheimischen Safariunternehmen zu empfehlen.
Zu Recht wird Sandwich Harbour als eines der grandiosen Ziele entlang der namibischen Küste bezeichnet. Weiße Stranddünen, gelbe Namib-Dünen zum Land hin und die grünlich schimmernde Lagune sorgen zusammen mit der unendlichen Weite, Unbesiedeltheit und dem brausenden Meer für eine „urweltliche“ Stimmung. Die Lagune ist mit Brackwasser gefüllt, dessen schwacher Salzgehalt Schilf und Riedgras wachsen lässt. Außerdem finden sich in diesem Gebiet kleine Tümpel, die mit Süßwasser gefüllt sind, das der Kuiseb-Fluss allmählich durch den Sand gedrückt hat.
Während viele Sandstrände entlang der namibischen Küste fast ohne Leben sind, da sie ungeschützt liegen, ist die Lage hier anders: Sandwich Harbour bzw. die Lagune liegen geschützt. Im Gebiet der Gezeiten sammelt sich daher eine Menge Kleinst-Flora an – ideale Nahrung für kleine Lebewesen, wie Schnecken und Würmer. Diese graben sich bei Ebbe in den Sandstrand und sind ihrerseits wieder ein Nahrungsvorrat für die vielfältige Vogelwelt. Insbesondere zwischen Oktober und April kommen Zehntausende von Zugvögeln aus der nördlichen Hemisphäre hierher. In besonderer Weise sind während der Trockenzeit die Flamingos interessant.
• Geschichtlicher Hintergrund
Die Nama bezeichneten die Süßwasserquellen an der Lagune als „Anichab“ (= Quellwasser). Der Name „Sandwich Harbour“ tauchte zum ersten Mal auf einer 1791 veröffentlichten Karte der East India Company auf. Die Grundlage für diese erste Kartographierung des Gebiets lieferte Kapitän Shield, der mit dem Walfänger- Schiff namens „Sandwich“ in den Jahren 1785/86 im Südatlantik kreuzte.
Wind und Wasser sorgen für einen steten Wandel der Lagunenlandschaft. Etwa vor 100 Jahren konnten hier noch Segler hineinfahren. Für Walfänger bot sich hier ein besonders guter Landeplatz, da es Süßwasser gibt und es im Vergleich zu Walvis Bay weniger neblig ist. Außerdem rankt sich eine besondere ...mehr
Textauszug aus Iwanowski’s Reisehandbuch: Namibia, 978-3-933041-42-5, EUR 25,95. © Iwanowski Verlag, Michael Iwanowski

