Nationalpark & Safari
(von Claire und Thomas Küpper)
Natur- und Tierschutz
Naturschutz hat in Namibia einen hohen Stellenwert und er hat auch für afrikanische Verhältnisse eine sehr lange Tradition. Als eines der wenigen Länder der Welt hat Namibia den Naturschutz in seiner Verfassung verankert: Ähnlich wie in anderen Ländern auch gliedert sich der namibische Naturschutz nach unterschiedlichen Schutzprinzipien, die sich am jeweiligen Schutzziel orientieren. Zunächst gibt es den
Artenschutz
, d.h. eine Art oder eine ganze Familie steht unter Schutz, unabhängig davon, ob man sie in einem Naturpark antrifft oder außerhalb dieser Gebiete. Beispiele wären die Damara-Seeschwalbe, das Nashorn, der Butterbaum oder die Welwitschia mirabilis.
Daneben gibt es den Schutz geschlossener Gebiete, der unterschiedliche Schutzniveaus beinhaltet. Zunächst gibt es die
Nationalen Erholungsgebiete
, die eine Kombination aus Natur- und Freizeitpark darstellen und neben dem Naturschutz auch ausdrücklich der Erholung und Freizeitgestaltung dienen sollen. In reglementierten Grenzen ist Jagen bzw. Angeln erlaubt, auch dürfen im Park Menschen leben und im Bereich vorhandener Ortschaften unter Auflagen auch bauen. Als Beispiel sei das Nationale Erholungsgebiet Westküste genannt.
Zum nächst höheren Schutzstatus gehören die
Nature Parks oder Reserves
. Hier bleibt das Wohnen, Bauen und Jagen auf bestimmte Bevölkerungsgruppen und manchmal sogar auf traditionelle Jagdmethoden beschränkt (z.B. für die San im Nyae Nyae Conservancy südlich des Kaudom Parkes). Höchsten Schutzstatus genießen die
Nationalparks
, in denen – außer in den staatlichen Camps und den wissenschaftlichen Stationen – jegliches Wohnen, Bauen, Jagen, das Sammeln irgendwelcher Naturbestandteile (Pflanzen, Mineralien...) und natürlich auch die industrielle Nutzung möglicherweise vorhandener Bodenschätze untersagt ist. Jeglicher Eingriff in die Natur darf nur von behördlich autorisierten Rangern vorgenommen werden.
Auch in Namibia hat man einsehen müssen, dass Naturschutz nur zusammen mit den Menschen funktioniert. Natürlich ist es für uns, die wir nicht an Hunger leiden und uns recht wenig existentielle Gedanken über unsere nähere Zukunft machen müssen, leicht nachvollziehbar, dass man denjenigen, denen ihr kleines und mühsam vor der Trockenheit gerettetes Gemüsebeet ständig von Elefanten zertrampelt oder von Hippos gefressen wird, eine Existenzmöglichkeit trotz Naturschutz bieten muss. Es würde unlösbare Spannungen im Lande schaffen, wenn auf die Dauer wenige (weiße) Lodgebesitzer das große Geld machen mit Tieren, die in Nachbars Garten fressen!
Aktuell größtes Projekt ist die Umplanung und Umgestaltung nahezu des gesamten Caprivi unter Einschluss von Nordbotswana, Zambia und später nach Ende des Bürgerkrieges auch Südostangola. Hier sind sogenannte Conservancies eingeplant, Gebiete, in denen die Landbevölkerung leben und auch am Tourismuseinkommen teilhaben soll. Durch die politische und militärische Entwicklung der letzten Jahre haben diese Pläne jedoch einen empfindlichen Dämpfer erhalten. Derzeit kann von der Etablierung eines Naturparks leider auch mittelfristig nicht die Rede sein, auch der Tourismus ist in dieser Region derzeit schlicht nicht existent.
Die Verbindung von
Tourismus und Naturschutz
hat im offiziellen Naturschutz in Namibia inzwischen eine sehr hohe Priorität. Doch auch der private Naturschutz auf einzelnen Farmen hat in Namibia Ausmaße erreicht, die in anderen Ländern undenkbar wären Heute gibt es eine Vielzahl privater Projekte, die über die Verbindung von Natur und Tourismus Familieneinkommen sichern. Besonders bekannte Projekte dieser Art sind das AfriCat Projekt, Afri-Leo Foundation, Save The Rhino Trust, Namib Rand Nature Park, Canyon Nature Park und Gondwana Canyon Park. Im Süden entsteht gerade der private „Naturpark Tirasberge“ in einer phantastischen Landschaft, eine Initiative, von der man zukünftig sicher mehr hören wird.
Einige Gedanken zur Sicherheit im Gelände
Die Natur Namibias unterscheidet sich nicht nur durch ihre im Vergleich zu europäischen Wäldern wesentlich höheren Sensibilität, sondern auch dadurch, dass dort potentiell gefährliche Tiere (und Pflanzen) vorkommen. Keine übertriebene Angst: Bereits recht wenige Verhaltensweisen sorgen für die nötige Sicherheit! Als Wildnisneuling sollte man allerdings zunächst die Nationalparks aufsuchen, in denen man die Tierwelt gut vom Auto aus sehen kann, z.B. Etosha. Ein Auto wird auch bei geöffneten Fenstern nicht als Ziel eines Angriffes herhalten müssen. Einzige Ausnahmen sind Elefanten, Büffel und Nashörner, denen man sich nicht in den Weg stellen sollte: Für alle drei stellt ein Auto kein wesentliches Hindernis dar!
Durch genaue Beobachtung kann man sich mit vielen Details im Verhalten und der Gestik verschiedener Arten vertrauter machen. Aus dem Fahrzeug heraus kann meist viel ungestörter beobachtet werden, weil Wildtiere das Auto nicht als Feindbild haben. Durch Gewöhnung in regelmäßig besuchten Parks (z.B. Etosha) lassen sich die Tiere durch die Fahrzeuge überhaupt nicht stören. Auch nach den ersten Beobachtungen sollte man seine ersten
Walking-Safaris
(z.B. Kaudom Park, Nashörner im Damaraland u.v.a.) mit einem erfahrenen Guide machen. Erstens erfährt man so viel mehr über die umgebende Natur, als man als Unerfahrener je erkennen kann, und zweitens sprechen Sicherheitsgründe dafür. Über das Verhalten potentiell gefährlicher Arten existiert eine Unmenge „Jägerlatein“, und es ist schwer, erfundene Storys von Bewährtem zu trennen. Im Folgenden versuchen wir in Übereinstimmung mit dem Know-how erfahrener Ranger, seriöser Literatur und auch eigener Erfahrungen einige wesentliche Tipps zur Sicherheit im Gelände weiterzugeben. Es sei allerdings klar gesagt, dass jedes Tier ein Individuum mit eigenen Launen ist und dass die Tipps keine 100 %-ige Garantie für schöne Fotos bei absoluter persönlicher Sicherheit bieten können! Im Zweifelsfalle gilt: Vorsicht ist keine Feigheit und Leichtsinn kein Mut!
Absolute Voraussetzung für eine sichere Wanderung ist, dass man die potentiell gefährlichen Arten der Region kennt. Abgesehen vom Erkennen des eigentlichen Tieres heißt dies, dass man auch seinen Lebensraum (z.B. Dickicht, hohes Gras u.ä.) und seine Spuren kennt. Grundsätzlich gilt, dass man mit Panikreaktionen rechnen muss, wenn man vom Wild plötzlich und aus unmittelbarer Nähe entdeckt wird. Bei Fluchttieren kann dies bedeuten, dass es zu (vom Wild unbeabsichtigten!) Unfällen kommt, weil man schlicht überrannt wird. Bei wehrhaften Arten (nicht nur Raubtiere oder Großtiere wie Nashörner, sondern z.B. auch Oryx) kann es zu spontanen und sehr heftigen Angriffen kommen. Das Anschleichen in unmittelbare Nähe ermöglicht zwar die beeindruckenderen Fotos, sollte aber unbedingt dem sehr Erfahrenen vorbehalten bleiben oder in Begleitung eines Guide erfolgen.
Für alle anderen gilt, dass man sich ruhig bewegen, aber sich nicht allzu sehr verstecken sollte. Was für das Wild gilt, gilt natürlich auch für den Besucher: die Augen sind ständig überall. Nur so bekommt man viel zu sehen und kann eine mögliche Gefahr rechtzeitig erkennen. Dies ist leichter gesagt als getan, denn nur auf den ersten Blick ist die Leere Namibias übersichtlich. Durch perfekte Tarnung oder dichtes Gestrüpp können auch erstaunlich große Tiere, sogar Elefanten, verblüffend lange unsichtbar sein.
Bei der
Annäherung an das Tier
muss man sein Verhalten beobachten. Eine erste Reaktion ist Aufmerksamkeit: Die Köpfe kommen vom Boden hoch und werden dem Besucher zugewendet. Zu diesem Zeitpunkt ist man erkannt, wird aber weder als wesentliche Störung noch als Bedrohung empfunden. Abgesehen von ständiger Beobachtung bleiben weitere Reaktionen zunächst aus. Bei weiteweiterer Annäherung (die Entfernung ist artspezifisch! Man kommt z.B. an Giraffen viel näher heran als an Zebras) wird das Tier oder die Herde zunehmend unruhig. Fressende Tiere unterbrechen die Nahrungsaufnahme, liegende Tiere stehen auf, sie wenden sich einer potentiellen Fluchtrichtung zu oder in Imponierstellung vor den Besucher. Spätestens jetzt heißt es: Stop! Ansonsten flieht die Herde oder wehrhafte Arten können angreifen. Darauf, dass es sich oft zunächst um einen Scheinangriff handelt, kann man sich nicht verlassen. Einige besondere, artspezifische Drohgebärden oder Gefahrensignale werden bei den einzelnen Arten erwähnt.
Büffel sind meistens wenig aggressiv und meiden eine Konfrontation. Sie sind jedoch ...mehr
Textauszug aus Iwanowski’s Reisehandbuch: Namibia, 978-3-933041-42-5, EUR 25,95. © Iwanowski Verlag, Michael Iwanowski


Nationalpark & Safari