Lüderitz
Mit der Verlagerung des Diamantenabbaus in den Süden um 1920 verging auch schnell der Stern der Stadt Lüderitz. Heute zählt sie ungefähr 25.000 Dauer- Einwohner, wovon ca. 10 % nur Europäer sind (und es werden eher weniger als mehr). Von ursprünglich sechs Fischfabriken existieren heute noch zwei. Die Gründe hierfür sind:
• Die Überfischung der Gewässer (mittlerweile wurde die Fangzone für den Weißfischfang auf 200 Meilen erweitert und darf nur von Namibia genutzt werden), und • die Konzentration auf die saisonbedingte Langustenfischerei (1. November bis 30. April). Zur Info: Langusten werden nur in Küstennähe gefangen.
Nach wie vor werden die meisten Langusten (96 %) nach Japan exportiert, wo sie wegen ihrer außergewöhnlich roten Farbe besonders beliebt sind.
Viele der schwarzen Familien leben ohne Männer, weil diese in den Fischfabriken von Walvisbaai ihr Brot verdienen müssen. Es gibt inzwischen 5 Weißfischfabriken und es werden in den Fabriken und auf den Fischerbooten ausschließlich Bewohner aus Lüderitz beschäftigt. Die Deutsche Schule musste geschlossen werden, weil eine Regierungswende in Deutschland 1974 keine Gelder mehr für die Aufrechterhaltung des „Deutschtums“ im Ausland zur Verfügung stellte. Als Naturhafen (nun bis 10 m Tiefe) und dazu noch einziger Tiefseehafen (außer Walvisbaai) über Tausende von Kilometern an der ganzen Küstenlinie gehen die Bestrebungen dahin, Lüderitz zum modernen Umschlagplatz für Container, Vieh und Massengüter auszubauen. Handel, Handwerk und Industrie würden aufblühen. Man könnte vielleicht auch an einen Freihafen denken.
Der Lüderitzbuchter Hafen wurde inzwischen mit einem Kostenaufwand von N$ 85 Mio. ausgebaut, und seit seiner Fertigstellung im Jahr 2000 wurde der Umsatz verdreifacht. Eine 500 m lange Anlegemauer bietet Anlegeplatz für bis zu 150 m lange Schiffe mit bis zu 9 m Tiefgang, u.a. auch für Passagierschiffe, die Lüderitz inzwischen zu einem regulären Ausflugsziel an der Westküste Afrikas einplanen. 150.000 Tonnen Zink von der neugegründeten Skorpion Mine bei Rosh Pinah werden jährlich vom Lüderitzbuchter Hafen aus exportiert. Auf dem neu gewonnenem Land wurden bereits große Lagerhallen errichtet, in denen die fertigen Zinkbarren bis zum Exporttermin gelagert werden. Andere Exportwaren sind tiefgekühlter Fisch und Langusten, Seegras.
Weitere Verbesserungen und Neu-Installierungen im Lüderitzbuchter Hafen beweisen das Vertrauen in die Zukunft des Hafens als wichtiger zweiter Container Umschlaghafen, neben Walvis Bay. Seit 1998 wird der Hafen ständig ausgebaut und modernisiert. Auch die Eisenbahnverbindung ins Landesinnere wird z. Zt. neu gebaut. Man erwartet, dass diese Arbeiten bis zum Jahr 2007 abgeschlossen sind und der Bahnverkehr zwischen Aus und Lüderitz wieder voll aufgenommen werden kann.
Dem Tourismus bieten sich ebenfalls viele Möglichkeiten – für den Anfang ist die Infrastruktur reichlich vorhanden. Es gibt befestigte Straßen, der nahe gelegene Flugplatz wird bereits von der Air Namibia angeflogen. Die Stadt selbst ist in einem recht guten Zustand. Die Wasser- und Stromversorgungseinrichtungen reichen für viel mehr Einwohner, als Lüderitz heute aufzuweisen hat. In den letzten Jahren entstanden neue Übernachtungsmöglichkeiten, ebenso wurden neue Restaurants eröffnet. Gleichzeitig bemüht man sich sehr, dem Reisenden die Stadt selbst sowie die Umgebung nahe zu bringen.
In der Vergangenheit wurde mit Hilfe der Interessengemeinschaft deutschsprachiger Namibier die Initiative „Rettet Lüderitzbucht“ ins Leben gerufen! Anlässlich der 100-Jahr-Feierlichkeiten von Lüderitz im Jahre 1983 wurden viele Gebäude restauriert bzw. neu angestrichen. Seit Beginn der 1990er Jahre ist nun endlich auch ein Anstieg der Besucherzahlen zu verzeichnen, der bis heute anhält.
Das Klima mit Niederschlägen von weniger als 50 mm/Jahr ist extrem trocken. Selbst bei blauem Himmel kann es manchmal sehr windig sein (vor allem in den Monaten September bis Februar). Oft ist es wie in Swakopmund morgens neblig.
Sehenswürdigkeiten
Lüderitz besitzt eine sehr gute historische Bausubstanz. Die meisten Gebäude wurden in den Jahren des Diamentenbooms zwischen 1908 und 1914 errichtet. Der spätere wirtschaftliche Niedergang von Lüderitz hatte hinsichtlich des architektonischen Aussehens auch etwas Gutes: Es wurden fast keine neuen, unpassenden Häuser zwischen die alten gesetzt. Kein Haus ist höher als drei Stockwerke. Besonders schöne Zeugnisse der alten Zeit sind u.a. die Kirchen, das Bergamt, der Bahnhof, das ehemalige Krankenhaus auf der Haifischinsel ...mehr
Textauszug aus Iwanowski’s Reisehandbuch: Namibia, 978-3-933041-42-5, EUR 25,95. © Iwanowski Verlag, Michael Iwanowski

