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Wie bereits erwähnt, sind die Niederschläge das zweite Ordnungsprinzip der naturräumlichen Gliederung Namibias. Ihre Höhe und Variabilität und ihre räumliche und zeitliche Verteilung bestimmen nicht nur die Vegetation, sondern haben auch eine entscheidende Bedeutung für alle menschlichen Aktivitäten, von der extensiven Landnutzung der San (Buschleute) über die marktorientierte Farmwirtschaft und den Bergbau bis zum Ausbau der Städte. Die moderne Wasserwirtschaft besitzt daher auch eine Schlüsselrolle für die zukünftige Entwicklung des Landes. Die Ausbreitung wüstenhafter Bedingungen (Desertifikation) als Ergebnis unsachgemäßer Eingriffe des Menschen in den Naturhaushalt bedrohen bereits weite Gebiete Namibias. Schutz und sachgerechte Handhabung der natürlichen Ressourcen, insbesondere des Wassers, sind Hauptaufgaben der Entwicklungsplanung.

Der überwiegende Teil von Namibia befindet sich im Einflussbereich der tropischen Sommerregen (Ende Oktober bis Anfang April). Nur der äußerste Süden erhält seine Feuchtigkeit von den Ausläufern der kapländischen subtropischen Winterregen (Mai bis September). Die Höhe der Niederschläge zeigt ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. In Feuchtjahren können im Nordosten (Caprivi) 700 mm Regen fallen, während in den zentralen Landesteilen, z.B. im Raum Windhoek, nur 300–400 mm zu erwarten sind; im Südwesten treten dagegen weniger als 100 mm Niederschlag auf. Einerseits gibt es leichte Schauer, bei denen an heißen Tagen die Regentropfen schon verdunsten, bevor sie den Boden erreichen, andererseits können in wenigen Kilometern Entfernung wolkenbruchartige Regen (400 mm in 15 Stunden) eine ausgedehnte Flächenspülung mit Rinnenbildung verursachen. Bei einer Schädigung der Vegetation durch Überweidung oder Holzeinschlag (Feuerholz) tritt diese Erosion verstärkt auf und beschleunigt den Prozess der Desertifikation.

Die Zahl der ariden Monate nimmt von Norden mit fünf bis sechs über die Landesmitte und die Kalahari mit acht bis neun Trockenmonaten auf elf in den südlichen Landesteilen zu. Die wüstenhaften Gebiete mit über elf ariden Monaten erstrecken sich azonal vom unteren Oranje an den Fußflächen der Großen Randstufe entlang über den Grenzfluss Kunene im Norden bis zum mittleren Küstenabschnitt von Angola. Die kalten Auftriebswässer des Benguela-Stromes und ablandige Fallwinde („Bergwinde“) verstärken noch die Aridität. Sie hindern die Wolken daran, bis auf das Festland vorzudringen. Diese regnen sich bereits auf dem offenen Meer aus; nur Nebelbänke (Garua-Nebel) erreichen für Stunden vormittags die Küste und geben hier einer spezifischen Strandvegetation (u.a. der Welwitschia mirabilis) genügend Feuchtigkeit. Die „Bergwinde“ wehen oft mit Sturmstärke in die Namib hinab und bedingen für einige Stunden eine erhebliche Zunahme der Temperatur und eine Sichtbeeinträchtigung durch Staub und Sand.

Info: Der „Wärmekiller“ Benguela-Strom
Den Besucher überraschen immer wieder die kühlen Temperaturen an der namibischen Küste. Auf vergleichbaren Breitengraden liegen auf der Nordhalbkugel doch gerade Badeparadiese, wie die Kanarischen Inseln, Südflorida oder Hawaii! Die Erklärung ist im kalten Benguela-Meeresstrom zu suchen, der hier an der Küste vorbeifließt. Seine Wassermassen wurden in der Antarktis-Region abgekühlt. Die Luftmassen über dieser kalten Drift werden sehr stark abgekühlt, so dass sie nur noch eine sehr geringe Feuchtigkeit enthalten. Sobald diese Luftmassen das Land erreichen, erwärmen sie sich und verlieren noch mehr an Wasser. Deshalb kommt es zu den typischen Nebeln der Namib-Wüste, denn für Regenfälle ist die Luft hier viel zu trocken.
Auch die von Osten kommenden Passate, die ihren Ursprung im Gebiet des Indischen Ozeans haben, bringen dem Land kaum Niederschläge. Diese Luftmassen werden schon von den hohen Gebirgsketten Südafrikas „angezapft“. Je weiter sie nach Westen getrieben werden, desto trockener werden sie. Sowohl wegen des kalten Benguela-Stroms als auch wegen dieser trockenen Ostwinde sind die Küstenregion und ihr Hinterland wüstenhaft.

Hervorgehoben werden muss hinsichtlich der Genese der Niederschläge, dass entgegen der in zahlreichen Schul- und Lehrbüchern vertretenen Auffassung, die Niederschläge in Namibia stammten aus Luftmassen des Südostpassats von der feuchten Ostseite des Südlichen Afrika, die den Subkontinent überqueren, nicht mehr zu halten ist. Die Auswertung von Satellitenbildern zeigt vielmehr, dass feuchte Luftmassen aus den inneren Tropen nach Süden vordringen und über der Kalahari auf die trockenen, kontinental-subtropischen Luftmassen auftreffen. Es kommt zu einer Frontenbildung mit zeitweisen ausgiebigen Sommerregen. Diese wolkenbuchartigen Niederschläge sind meist nur lokal ausgeprägt. Es kann vorkommen, dass in Oranjemund im vollariden Süden der Namib Hochwasser auftritt, während Feuchtgebiete im Norden unter Trockenheit leiden.

Zu landesweiten Dürrekatastrophen, wie sie uns aus der Sahelzone bekannt sind, kam es in den Jahren 1978 bis 1985 und von 1991 bis 1993. Ausgiebige Schauertätigkeiten oder ein verspätet einsetzender Regen beendeten schließlich aber doch noch diese Notzeiten. Hochdruckgebiete über dem Südatlantik bis zum Indischen Ozean können das Vordringen feucht-tropischer Luftmassen nach Süden blockieren und die Niederschlagshöhen stark schwanken lassen: Die Regenzeit im Jahre 1993, die die Dürreperiode beendete, brachte manchen Orten schließlich eine überdurchschnittliche Regenmenge. Einige Regionen haben 1993 allerdings immer noch nicht genügend Regen erhalten.

Nicht ein einmaliges Trockenjahr, sondern Dürreperioden von meh reren Jahren lassen die Aridität zu einem ökologisch und ökonomisch gravierenden Faktor werden. Hiervon sind nicht nur Einzelpersonen, wie Bauern und Farmer, sondern die gesamte Wirtschaft und der Staat des Landes betroffen.

Im Vergleich zum Wasser als dem entscheidenden Lebensfaktor stellen die Temperaturen in Namibia kaum ein Problem dar. Sie erreichen im Durchschnitt im Norden, in den randtropischen Bereichen, 21 °C, im subtropischen Hochland bei Windhoek 19 °C und im Süden 21 °C. An der Namibküste erreichen sie einen Durchschnittswert von 15 °C. Wie aus der Klimatabelle hervorgeht, kann das tägliche Maximum aber im Norden auf über 30 °C ansteigen.

Die Höhenlagen im Landesinneren verringern die Temperaturen, wobei in klaren Nächten in den Monaten Juli bis August Frost auftreten kann. Die Tagestemperaturen in der Namib können tagsüber bei 40 °C und mehr liegen, während sie in der Nacht auf wenige Grade absinken. Warme, selten heiße Tage und kühle bis kalte Nächte (August) machen das Hochland Namibias zu einem idealen Reiseland. Die hohe Luftfeuchtigkeit der Tropen, meist als Schwüle empfunden, tritt nur selten auf. Tropenkrankheiten, wie z.B. Malaria, sind nahezu ausschließlich auf den Norden beschränkt. Sie breiten sich allerdings in starken Regenzeiten bis zur Landesmitte aus. Eine Prophylaxe ist dann zu empfehlen.

Allgemein lässt sich feststellen, dass die Temperaturen nur ein untergeordneter Faktor der naturräumlichen Ausstattung Namibias sind. Sie erlangen nur im Grenzbereich zwischen Tropen und Subtropen (südlicher Wendekreis oder Tropic of Capricorn bei Rehoboth) eine erhöhte Bedeutung. In den zentralen Hochländern gibt es praktisch keine Schwüle, was bis heute einen bedeutenden bioklimatischen Faktor für ihre Besiedlung ausmacht.

Die Lage Namibias in den Trockengebieten der Rand- und Subtropen bedingt eine geringe Bewölkung und eine hohe Sonnenscheindauer – eine ausgezeichnete Situation für Fotografen, Landschaftsmaler, für Wanderer und Segelflieger. Durch die hohe Verdunstung wird die Effizienz der geringen Niederschlagsmengen weiter gemindert.

Textauszug aus Iwanowski’s Reisehandbuch: Namibia, 978-3-933041-42-5, EUR 25,95. © Iwanowski Verlag, Michael Iwanowski

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