Geographie
Lage und Größe
(von Dr. Karl-Günther Schneider)
An der trockenen Westseite des Südlichen Afrika zwischen Südatlantik und Kalahari gelegen, hat Namibia eine Gesamtfläche von 824.292 km2 und umfasst damit 2,7 % des afrikanischen Kontinents. Die Nachbarstaaten von Namibia sind Angola und Zambia im Norden, Botswana im Osten und die Republik Südafrika im Süden. Die Westgrenze bildet der Südatlantik. Die hafenfeindliche Küste des Südatlantiks mit der Namib-Wüste sowie die Trockengebiete der Kalahari und der Karru im Binnenland bedingen eine geographische Abseitslage Namibias, die auch wirtschaftliche Auswirkungen hat. Die Distanzen zu den Industriestaaten auf der Nordhalbkugel (u.a. West- und Mitteleuropa) und zu dem wirtschaftlichen Kernraum des Subkontinents, der Pretoria-Witwatersrand-Vaaldreieck-Agglomeration in der RSA, sind erheblich.
Die Längserstreckung dieses äußerst kontrastreichen afrikanischen Landes reicht vom Oranje-Fluss (Noordoewer) im Süden über 1.500 km in Richtung des Äquators nach Rundu am Okavango. Dies kommt der Entfernung Flensburg-Korsika gleich. Von der brandungsreichen Küste des Südatlantiks bis zur Halbwüste Kalahari an der Grenze zu Botswana beträgt die durchschnittliche Entfernung 630 km, was der Entfernung zwischen Aachen und Berlin entspricht.
Es gibt hier Hunderte von Kilometern, wo keine Serviceleistungen für Mensch und Fahrzeug bereitgestellt werden können und der Reisende auf sich selbst gestellt ist. Für Fahrten über große Distanzen muss daher sorgfältig geplant und sich ausgerüstet werden.
Naturräumliche Gliederung und Ausstattung
Das naturräumliche Grundmuster von Namibia lässt sich anhand von zwei Ordnungsprinzipien leicht aufzeigen: die Höhenlage über dem Meer und die Höhe der Niederschläge.
Info: Besonders schöne landschaftliche Höhepunkte Wer sich für die grandiosen Zeugnisse der geologischen Vergangenheit interessiert, der darf vor allem nicht die folgenden herausragenden Landschaften und Besonderheiten versäumen:
• die Dünenlandschaften der Namib, insbesondere am Sossuvlei;
• den Fish River Canyon, der sein Gegenstück nur im Grand Canyon/Arizona hat;
• die Naukluft-Landschaft mit ihren herrlichen Bergen und Tälern;
• das Erongo-Gebirge mit seinen phantastischen Erosionsformen (Bull’s Party/Farm Ameib);
• das majestätische Brandberg-Massiv;
• die Ausräumungslandschaften der Ugab-Terrassen (die an den Westen der USA erinnern);
• das Waterberg-Plateau.
Das Relief
Die Namib-Wüste erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über die gesamte Länge Namibias (1.800 km) hinweg entlang des Südatlantiks vom äußersten Nordwesten der Kapprovinz (Port Nolloth) über den Oranje über Oranjemund, Lüderitz, Walvis Bay, Swakopmund bis zum Grenzfluss Kunene. Von hier aus reicht sie noch weitere Hunderte von Kilometern nach Angola (Mocamedes) hinein. In Namibia steigt das nur 80 bis 130 km breite Wüstengebiet vom Niveau des Meeresspiegels langsam auf 600 m Höhe an. Im Norden ist es vorwiegend als Felswüste und südlich des Kuiseb-Trockenflusses als Sandwüste mit Dünen bis über 300 m Höhe ausgeprägt. Im Osten schließen sich die Große Randstufe (Great Escarpment) und die Bergländer der Randschwelle an. Sie bilden häufig einen eindrucksvollen Gebirgswall, der Höhen bis zu 2.000 m erreicht. Der Königsstein im Brandberg-Massiv ragt mit 2.579 m als höchster Berg Namibias besonders heraus. Tiefe, wadiähnliche Täler (Riviere) durchschneiden das „Escarpment“ und öffnen es zur Namib hin.
Weiter landeinwärts erstrecken sich im Süden halbwüstenhafte Hochländer, die in den zentralen und nördlichen Landesteilen durch Dorn- und Trockensavannen geprägt sind. Ihre durchschnittliche Höhe beträgt 1.700 m mit einer Süd-Nord- Ausdehnung von ca. 1.500 km. Sie bilden das „Rückgrat“ des Landes. Es wird insbesondere von der Städtereihe Karasburg, Keetmanshoop, Mariental, Rehoboth, Windhoek, Okahandja, Otjiwarongo, Tsumeb/ Grootfontein und Ondangwa/Oshakati markiert. Die höchsten Teile liegen im zentralen Hochland südlich von Windhoek in den Auas- Bergen, wo die Bergkuppe Moltke- Blick 2.483 m erreicht. Nach Osten hin ragen noch einzelne Massive auf.
Die Entstehung der genannten Höhengebiete lässt sich bis in die Kreidezeit (vor ca. 120 Mio. Jahren) zurückverfolgen. Sie sind das Ergebnis einer gewaltigen, in Phasen ablaufenden Aufwölbung des Südlichen Afrika und den bald darauf einsetzenden Abtragungsvorgängen. Die Randzonen des Subkontinents wurden stärker herausgehoben als die Binnenregion (Kalahari-Becken).
Zur Grenze nach Botswana hin nimmt die Höhe unmerklich bis auf ca. 1.200 m ab, um in das Kalahari-Hochbecken überzugehen. Mächtige Sandflächen, oft bedeckt von einer relativ dichten Baum-Strauchvegetation, aktive Längsdünen, weite Altdünenfelder und abflusslose, jahreszeitlich wassergefüllte Senken und Pfannen sind typische Landschaftseinheiten. Der Mangel an verfügbarem Oberflächenwasser schränkt eine Daueransiedlung in dieser Region ein.
Textauszug aus Iwanowski’s Reisehandbuch: Namibia, 978-3-933041-42-5, EUR 25,95. © Iwanowski Verlag, Michael Iwanowski


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